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Campingurlaub ohne Müll und ohne Plastik

· 1426 Wörter · etwa 7 Minuten

„Aber den Müll müssen Sie wieder mitnehmen!“ tönte es als letzten Satz von der Campingleitung. „Wir bringen keinen Abfall mit.“ waren meine letzten Worte daraufhin. Obwohl das nicht ganz stimmte. Aber fast.

In diesem Jahr war die Auswahl an Urlaub ja nicht besonders groß. Keiner wusste was möglich ist. Weshalb wir uns entschieden, einfach Zuhause zu bleiben. Und wenn man – so wie wir – an der schönen Havel wohnt, ist das auch wirklich eine tolle Alternative. Ausschließlich in der Wohnung bleiben, wollten wir dann aber doch nicht. Wir fuhren mit dem Boot auf eine Insel mit Natur-Campingplatz – Plumsklo, Wasser aus der Pumpe und kein Strom. Das Boot war geliehen und lediglich ein kleiner Angelkahn mit Motor. Kein Platz für Unmengen an Zeug. Unser Ziel: Eine Woche Campen ohne zusätzlichen Einkauf und ohne Müll.

Zelt & Boot

Schon beim Zelt stellte ich ein paar Anforderungen: Bitte eines ohne Nylon. Ausschließlich Baumwolle. Mit Innenzelt. Am liebsten ein altes DDR Hauszelt. Das hatte für mich drei Gründe: 1. ein Zelt aus Baumwolle ist meines Erachtens viel robuster. Es reißt nicht so schnell und hält wechselndem Wetter stand. 2. Es wird im Zelt nicht so heiß. Denn Baumwolle ist ein Stoff der besser atmet. 3. Der Rohstoff wird aus einer Pflanze gewonnen und nicht aus Erdöl. Und sollte es kaputt gehen, kann es weitaus besser in den Kreislauf zurück gegeben werden.
Als das Zelt gebraucht gekauft war, kümmerten wir uns um das Boot. Ein kleiner Angelkahn den wir uns liehen. Teilen ist ganz klar besser für unsere Ressourcen als wenn jede Familie nur für sich eine Sache anschafft. Gerade bei Dingen die nur wenige Tage im Jahr gebraucht werden, funktioniert das prima. Ein kleiner Motor verbraucht zudem wenig Benzin.


Auf dem SUP Board nur mit UV-Shirt unterwegs. So können Gewässer und Kinderhaut von Sonnencreme verschont werden.

Verpflegung

Wir sind Müslifrühstücker und kaufen die Einzelzutaten seit Jahren in Großgebinden ein. Wir besitzen einen Vorrat für ein Jahr den wir in sehr großen Gläsern – vor Motten geschützt – aufbewahren. Jedem Familienmitglied habe ich eine eigene Mischung gemixt und in ein 1l bzw. 2l Glas abgefüllt. Es gab weder einen Kühlschrank geschweige ein Tiefkühlfach. Aber Dosenware kommt für mich nicht in Frage. Auch nicht als Ausnahme. Mittags haben wir deshalb täglich frisch gekocht auf einem kleinen (gebrauchtem) Campinggaskocher. Das Gemüse beziehen wir unverpackt vom Bauern oder aus dem Supermarkt oder aus dem Garten von Oma und Opa. Es hat sich auch bei Wärme gut gehalten. Ein alter Campertrick: Loch graben und einen Eimer mit Deckel hineinstellen. Fertig ist die Minibar. Abends gab es je nach Bedarf Brot mit Aufstrichen aus dem Glas. Das Brot eingewickelt in ein Bienenwachstuch, hält sich mehrere Tage auch ohne Kühlung frisch! Nur mit den geöffneten Aufstrichen hatten wir schon nach 4 Tagen Probleme. Weshalb wir nun auf die Aufstriche von Veganett umgestiegen sind. Diese sind auf Basis von Nussmus und schimmeln auch nach Wochen nicht.


Kaffee

Unseren Kaffee mahlen wir in der Regel frisch, worauf wir aufgrund des Transportgewichts verzichtet haben. Aber Filter musste sein. ;) Der wiederverwendbare Baumwollfilter hat sich gut geschlagen. Ausspülen und wiederverwenden. Zwei Filter gestalten sich gut, denn nach der 3 Benutzung setzen sich die Kaffeeöle im Filter ab, die sich mit ein wenig Waschmittel bzw. Seife besser lösen. Zum Waschen hatten wir allerdings erst Zuhause wieder die Gelegenheit.

Ausstattung

Bis dahin kam all unsere Wäsche in den Wetbag bzw. in die Nasstasche, die ich noch aus Wickelzeiten meiner Tochter besitze. Ideal, denn am Ende des Urlaubs passten die nassen und sandigen Handtücher ebenso hinein wie die Badesachen.


Körperpflege

Für uns sind viele Produkte der Körperpflege wie die vegane, verpackungsfreie und palmölfreie Seife und das Haarshampoo (keine Haarseife) oder der Konjacschwamm zur Gesichtsreinigung wirklich zur Gewohnheit geworden. Seit Jahren benutzen wir nichts anderes mehr. (Obwohl ich zurzeit "NoPoo" ausprobiere – aber das in einem anderen Beitrag.) Wirklich erschrocken waren wir daher über die Pflegeprodukte der Dauercamper – an einem Naturschutzgebiet auf einem Naturcampingplatz – die mit ihrem herkömmlichen Duschbad aus der Drogerie in der Havel baden waren! Nicht nur sind die Inhaltsstoffe für das Gewässer und die Lebewesen darin sehr bedenklich, auch enthalten sie Mikroplastik (Erdöl), das mit jedem geangelten Fisch wieder von ihnen gegessen wird oder auf ewig im Wasser verbleibt und unsere Kinder beim Baden verschlucken.



Nach einer Woche in der Wildnis, möchte ich dennoch ohne dickes Fell auskommen. Deshalb nahm
ich Rasierhobel und Rasierseife mit. Der Hobel mit geschlossenem Kamm, kann wirklich sehr einfach und ohne Schnitte für alle Zonen des Köpers benutzt werden. Wer dicken Schaum braucht, nutzt einen
Rasierpinsel mit dem die Seife genauso dick auf wie ein Rasierschaum aus der Dose aufgetragen werden kann. Männer und Frauen können ihn beide gleichermaßen gut benutzen. Das spart Platz und Geld.


Meine erste Anschaffung zum Wiederverwenden waren die Reinigungspads aus Biobaumwolle. Im ersten Jahr flogen diese häufig versehentlich in den Badmüll statt in die Wäsche. :)



Das Zahnpulver zum Zähneputzen mische ich seit Jahren selbst. Anfangs noch mit Kokosöl, nun mit Heilkreide. Der Umstieg von der elektrischen Zahnbürste zur Holzzahnbürste fiel mir anfangs schwer. Zusammen mit der selbsthergestellten "Zahncreme" putzt sich aber genauso gut. Oftmals haben wir nur verlernt wie eine gute Putztechnik funktioniert.


Abwasch

Für den Abwasch und das Zähneputzen, trugen wir täglich 20 Liter von der Pumpe in unserem Kanister zum Abwaschplatz. Mein kleines Glas selbsthergestellte Spülcreme hat für eine Woche ausgereicht. Stark fettende Rückstände hat sie leider nicht zu meiner 100% Zufriedenheit geschafft, aber für die Campingküche war dies ausreichend. Hartnäckige Krümel wurden mit dem Kupfertuch problemlos und auf Edelstahl sogar kratzfrei gereinigt. Nach dem Urlaub kommt dieser in die Waschmaschine und ist wie so vieles wieder einsatzbereit. Für Wasserreste vom Kochen oder Zahnpasta, gruben wir ein Loch. So kannte ich es noch aus meiner Kindheit. Gut, dass unser Sandspielzeug aus Stahl eine Schippe beinhaltet, die auch bei festerem Boden gut gegraben hat. Wieder eine Sache weniger im Gepäck. Die Edelstahlbehälter dienten uns als Müslischalen, Kochtopf und Verpackungsdose für Essenreste. Multifunktional. So wie wir es mögen.


Füße und Pflaster

Wer, wie wir, viel Barfuß läuft, sollte an eine Fußpflege denken. Viel Barfuß laufen im Sommer bedeutet auch viel Hornhaut. Die kann aufreißen und das tut schrecklich weh! Mit von der Partie war deshalb noch mein Bimsstein und jede Menge Pflaster. Dass wir so viele Pflaster brauchen würden, hätte ich jedoch nicht gedacht. Die Kienäpfel auf dem Platz und die Muscheln im Wasser trugen ihr übrigens dazu. Wir haben sonst einen Verbrauch von vielleicht 2 Stück pro Jahr. Was mir auch erst hinterher aufgefallen ist: der Plastikmüll! Auch Pflaster aus Baumwolle sind in Plastik verpackt. Des Weiteren besitzen alle Pflaster einen Klebstoff der nicht selten zu Hautreizungen und allergischen Reaktionen führt, wie ich von einer jungen Camperin erfahren durfte. Somit steht für mich fest: schon bald erhält ein umweltfreundliches Pflaster aus Bambus mit Naturklebstoff Einzug in den Laden.

Toilette

Ein letzter Eindruck vom Naturcamping gewähre ich in unsere Toilettenvorgänge. Wie oben erwähnt, gab es dort nur ein Plumsklo. Um so wichtiger war es mir was wir dort hinterlassen. Seit einiger Zeit schwöre ich auf die Po-Dusche. Der Gang zur Toilette ging immer an der Pumpe vorbei. Po-Dusche auftanken und zum Häuschen schlendern. Ein kleines Stück Bambustoilettenpapier zum Abtrocknen war ebenfalls dabei. Leider sind in meiner Familie (noch) nicht alle Fan davon. Dennoch haben wir in einer Woche lediglich 1,5 Rollen Toilettenpapier aus Bambus verbraucht mit 3 Menschen. Am letzten Tag bekam ich meine Periode, was mich dank der Menstruationstasse, Stoffbinden und der Po-Dusche wirklich gar nicht gestört hat. Ich war eher dankbar dafür der Natur keine Abfallhygieneartikel zu hinterlassen wie leider oft dort gesehen. Zu den Hinterlassenschafften gehören für mich übrigens auch die mit dem Urin ausgeschiedenen Hormone der Antibabypille. Aber dazu in einem neuen Artikel ausführlicher.


Fast müllfrei

Unser größtes Müllproblem waren die Haferdrink-Verpackungen, Brottüten sowie die kleinen Gaskartuschen. Auch die wenigen Verpackungen der Süßwaren meiner Tochter stören mich sehr. Hier kann man wirklich viel selbst herstellen. Nur hatten wir vorab keine Zeit mehr dafür. Somit sind auch wir nicht perfekt, aber wie viele auf einem guten Weg. Freudiger Weise hat mich im August die Nachricht erreicht, dass es demnächst Hafermilch in Glasflaschen aus dem Havelland geben wird. Made in Brandenburg. Yes!

Fazit

Einiges mag sehr aufwendig erscheinen von außen. Ja, es mag sogar wie ein totaler Verzicht wirken, auf alles was wir in der Zivilisation erreicht haben. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: So entspannt war seit Jahren kein Urlaub mehr! Sogar mein Partner – der noch nie was mit Campen am Hut hatte – möchte dieses "Herunterkommen auf die Basis" nun jeden Sommer erleben.